26. Januar 2012

Diskussion um Soeste-Carree Cloppenburg benennt nicht die Ursachen für innerstädtische Fehlentwicklung

Verödung der Innenstadt muss gegengesteuert werden durch progressive Verkaufsflächensteuer

DIE LINKE lehnt das Soeste-Carree auch ab,  aber mit anderer Begründung:

Die Unterschriftensammlung  gegen das „Soeste-Carre“ in Cloppenburg  benennt nicht die Ursachen der Fehlentwicklung.

 Der Einzelhandel in den Stadtzentren und kleineren Orten befindet sich wirtschaftlich in schwerem Fahrwasser. Die Stadt Cloppenburg und die CDU-geführten Regierungen in Land und Bund  sehen dieser Entwicklung nicht nur mit verschränkten Armen zu. Sie drücken vor allem die inhabergeführten Geschäfte noch mit dem Fuß unter Wasser und ruft ihnen zu, sie müssten halt nur kräftiger schwimmen lernen.

Die Ansiedlung neuer Zentren an der Peripherie ist der falsche Weg zur Belebung der Innenstädte. Seit Jahrzehnten erleben wir den gnadenlosen Wettbewerb nach dem Motto „Wachsen oder Weichen“. Mit dieser Politik  unterstützt man letztlich nur die großen Konzerne.

Der Schlachtruf „Ich bin doch nicht blöd“ verkehrt sich ins Gegenteil. Um ein paar € am Verkaufspreis zu sparen werden häufig weite Strecken mit dem PKW zurückgelegt, was auch mit hohen Kosten verbunden ist und mit dem Ersparten zusammen ein Nullsummenspiel ergibt.  Bei dieser Bilanz ist der erhöhte Zeitaufwand und die im Einzelhandelsgeschäft oft besser ausgebildete persönliche Beratung noch unberücksichtigt.

Die schädliche Entwicklung wirklich umkehren kann nur eine progressive Verkaufsflächensteuer ab 100 qm, also je mehr qm desto höher die Steuer. Dann könnten sich auch kleinere Läden in den Dörfern halten und diese nicht weiter veröden. Man bräuchte nicht schon deswegen ein Auto, weil man sich eine Tafel Schokolade oder einen Käse besorgen möchte. Für ältere und solche ohne Führerschein wäre das eine erhebliche Erleichterung und würde ihnen Unabhängigkeit verschaffen.  Flächen  rund um die Städte würden nicht unnötig versiegelt und es würden bei Insolvenz keine Ruinen rundherum stehen. In manchen solchen Supergeschäften selbst sind die Wege viel zu lang. Wem nützt z.B. ein 20 Meter langes Regal mit Puddingpulver ?  Da mag es zwar mehr Vielfalt geben, zur Erhöhung der Lebensqualität leistet es jedoch kaum einen Beitrag.  Anstatt den Löwenanteil der Kaufkraft einigen  Konzernen zuzuschieben würden kleine und mittlere Läden größere Chancen erhalten zu existieren und  Arbeitsplätze erhalten bleiben, sogar neue entstehen. Die Menschen könnten ihre Einkäufe in der näheren Umgebung erledigen und die Innenstädte und Dörfer würden durch wahre Vielfalt wiederbelebt.